Neuer Erlass stärkt politische Bildung und Rechtssicherheit

an Schu­len in Sachsen-Anhalt

Minis­te­ri­um für Bil­dung – Pres­se­mit­tei­lung Nr.: 16/2026Magdeburg, den 20. Febru­ar 2026

Poli­ti­sche Bil­dung ist ein zen­tra­ler Bestand­teil des Bil­dungs- und Erzie­hungs­auf­trags der Schu­le. Um Schu­len und Lehr­kräf­ten hier­für kla­re, rechts­si­che­re und pra­xis­na­he Ori­en­tie­rung zu geben, regelt das Minis­te­ri­um für Bil­dung des Lan­des Sach­sen-Anhalt den Umgang mit par­tei­po­li­ti­scher Wer­bung sowie mit Poli­ti­ker­be­su­chen an Schu­len künf­tig ver­bind­lich in einem eige­nen Erlass. Der Erlass ist mit Ver­öf­fent­li­chung in der Febru­ar­aus­ga­be des Schul­ver­wal­tungs­blatts in Kraft getreten.

Ziel des neu­en Erlas­ses ist es, Lehr­kräf­ten und Schul­lei­tun­gen eine ver­bind­li­che und päd­ago­gisch fun­dier­te Grund­la­ge für den Umgang mit poli­tisch sen­si­blen Situa­tio­nen zu geben und die Rol­le der Schu­le als zen­tra­len Ort demo­kra­ti­scher Bil­dung zu stärken.

„Unse­re Schu­len sind Orte der Demo­kra­tie. Lehr­kräf­te dür­fen, sol­len und müs­sen Hal­tung zei­gen, wenn es um die Wer­te der frei­heit­lich-demo­kra­ti­schen Grund­ord­nung geht. Das ist kein par­tei­po­li­ti­sches Han­deln, son­dern unser gemein­sa­mer Auftrag.“

Bil­dungs­mi­nis­ter Jan Riedel

Beu­tels­ba­cher Kon­sens als ver­bind­li­cher Maßstab

Der neue Erlass ersetzt die bis­he­ri­ge Hand­rei­chung und ver­an­kert den Beu­tels­ba­cher Kon­sens und sei­ne drei Kern­prin­zi­pi­en aus­drück­lich als ver­bind­li­chen Maß­stab poli­ti­scher Bil­dung in Sachsen-Anhalt.

  • Über­wäl­ti­gungs­ver­bot: Kei­ne Indok­tri­na­ti­on oder poli­ti­sche Bevor­mun­dung – Ziel ist die eigen­stän­di­ge Urteils­bil­dung der Schü­le­rin­nen und Schüler.
  • Kon­tro­ver­si­täts­prin­zip: Was in Poli­tik, Gesell­schaft und Wis­sen­schaft kon­tro­vers ist, muss auch im Unter­richt als kon­tro­vers dar­ge­stellt werden.
  • Schü­ler­ori­en­tie­rung und Teil­ha­be: Poli­ti­sche Bil­dung soll jun­ge Men­schen befä­hi­gen, eige­ne Posi­tio­nen zu ent­wi­ckeln und sich aktiv am poli­ti­schen und gesell­schaft­li­chen Leben zu beteiligen.

Neu­tra­li­tät heißt nicht Indifferenz

Der Erlass betont dar­über hin­aus, dass par­tei­po­li­ti­sche Neu­tra­li­tät nicht mit poli­ti­scher Indif­fe­renz gleich­zu­set­zen ist.

Rie­del dazu:

„Lehr­kräf­te sind aus­drück­lich berech­tigt und ver­pflich­tet, für die Wer­te der frei­heit­lich-demo­kra­ti­schen Grund­ord­nung ein­zu­tre­ten. Men­schen­wür­de, Gleich­be­rech­ti­gung, Demo­kra­tie und Rechts­staat­lich­keit sind kei­ne par­tei­po­li­ti­schen Posi­tio­nen, son­dern ver­fas­sungs­recht­lich ver­bürg­te Grund­wer­te. Dis­kri­mi­nie­ren­de, ras­sis­ti­sche oder demo­kra­tie­feind­li­che Äuße­run­gen dür­fen nicht als blo­ße ‚Mei­nung‘ ste­hen blei­ben, son­dern müs­sen von Lehr­kräf­ten ein­ge­ord­net und kri­tisch reflek­tiert wer­den. Lehr­kräf­te kön­nen sich dar­auf ver­las­sen, dass ihr Enga­ge­ment für Demo­kra­tie, Men­schen­wür­de und Grund­rech­te aus­drück­lich gewollt, not­wen­dig und geschützt ist.“

Bil­dungs­mi­nis­ter Jan Riedel

Kla­re Regeln für par­tei­po­li­ti­sche Werbung

Der Erlass stellt klar, dass par­tei­po­li­ti­sche Wer­bung auf dem Schul­ge­län­de grund­sätz­lich unzu­läs­sig ist. Dazu zäh­len ins­be­son­de­re das Ver­tei­len oder Aus­le­gen von Fly­ern, Pla­ka­ten und Wahl­kampf­ma­te­ria­li­en sowie par­tei­po­li­ti­sche Kam­pa­gnen oder Aktio­nen auf dem Schul­ge­län­de. Zuläs­sig sind hin­ge­gen Unter­richts- und Schul­ver­an­stal­tun­gen, in denen poli­ti­sche Inhal­te sach­lich, didak­tisch ein­ge­bet­tet und im Sin­ne des Beu­tels­ba­cher Kon­sen­ses vor­be­rei­tet und nach­be­rei­tet werden.

Poli­ti­ker­be­su­che päd­ago­gisch eingebettet

Poli­ti­ker­be­su­che im Unter­richt wer­den aus­drück­lich als wich­ti­ger Bestand­teil poli­ti­scher Bil­dung aner­kannt. Sie sind päd­ago­gisch vor- und nach­zu­be­rei­ten, unter­schied­li­che poli­ti­sche Per­spek­ti­ven sind zu berück­sich­ti­gen und die didak­ti­sche Ver­ant­wor­tung liegt bei der Lehr­kraft. Im Jah­res­ver­lauf ist auf Aus­ge­wo­gen­heit zwi­schen ver­schie­de­nen poli­ti­schen Posi­tio­nen zu ach­ten. In den letz­ten vier Unter­richts­wo­chen vor einer Wahl sind par­tei­po­li­ti­sche Ein­zel­ver­an­stal­tun­gen unzulässig.

Kla­rer Umgang mit extre­mis­ti­schen Akteuren

Für den Umgang mit extre­mis­ti­schen Akteu­ren ent­hält der Erlass kla­re Vor­ga­ben: Ver­fas­sungs­feind­li­che, ras­sis­ti­sche oder men­schen­ver­ach­ten­de Posi­tio­nen sind nicht als legi­ti­me Alter­na­ti­ven dar­zu­stel­len. Schu­len erhal­ten hier­zu Bera­tungs- und Unter­stüt­zungs­an­ge­bo­te durch das Minis­te­ri­um für Bil­dung, das Lan­des­schul­amt und die Lan­des­zen­tra­le für poli­ti­sche Bildung.

Demo­kra­tie­bil­dung als ver­fas­sungs­recht­li­cher Auftrag

„Demo­kra­tie­bil­dung ist kein par­tei­po­li­ti­sches Pro­jekt, son­dern ein ver­fas­sungs­recht­li­cher Auf­trag. Sie befä­higt jun­ge Men­schen zur eigen­stän­di­gen Urteils­bil­dung, demo­kra­ti­schen Teil­ha­be und akti­ven Mit­ge­stal­tung der Gesell­schaft. Unse­re Schu­len blei­ben Orte offe­ner, sach­li­cher und plu­ra­ler Auseinandersetzung.“

Bil­dungs­mi­nis­ter Jan Riedel